Portfolios in EAM
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Von EVA zu EAM – wie sich Architekturportfolios aus einfachen Fragen ableiten lassen
Das EVA-Prinzip (Eingabe – Verarbeitung – Ausgabe) beschreibt ein grundlegendes Muster der Informationsverarbeitung.
Es ist bewusst einfach gehalten und genau deshalb universell einsetzbar – weit über technische Systeme hinaus.
Überträgt man dieses Denkmodell auf Enterprise Architecture Management (EAM), entsteht eine überraschend klare Logik: Aus EVA lassen sich grundlegende Leitfragen ableiten, die wiederum direkt zu den bekannten Architekturportfolios führen.
EVA als Ausgangspunkt
Im Kern beschreibt EVA drei Aspekte:
- Eingabe – welche Informationen liegen vor?
- Verarbeitung – was geschieht mit diesen Informationen?
- Ausgabe – welche Ergebnisse entstehen?
Auf Architekturarbeit übertragen ergeben sich daraus zunächst drei zentrale Fragen:
- Welche Informationen sind relevant?
- Wie werden diese Informationen verarbeitet?
- Womit wird diese Verarbeitung umgesetzt?
Diese drei Fragen bilden den inhaltlichen Kern der Betrachtung.
Sie beschreiben, was betrachtet wird und wie Informationsverarbeitung grundsätzlich funktioniert.
In der Praxis zeigt sich jedoch schnell:
Für tragfähige Architekturentscheidungen reicht diese Sicht allein nicht aus.
Architektur existiert nicht isoliert, sondern:
- in Organisationen,
- mit einem bestimmten Zweck,
- und über einen längeren Zeitraum hinweg.
Deshalb müssen die drei Kernfragen um weitere Perspektiven ergänzt werden, die Kontext, Verantwortung und Zeit berücksichtigen.
Aus dieser Erweiterung ergeben sich drei zusätzliche Leitfragen:
- Wer trägt Verantwortung?
- Warum wird etwas so gestaltet?
- Wann ist etwas relevant oder gültig?
Gemeinsam bilden diese sechs Leitfragen eine vollständige, aber dennoch einfache Grundlage, um Unternehmensarchitekturen systematisch zu erschliessen.
Die abgeleiteten Leitfragen
Aus dem EVA-Denken ergeben sich somit sechs grundlegende Leitfragen:
1. Welche Informationen sind relevant?
Diese Frage entsteht direkt aus der Eingabe-Perspektive.
Sie bildet die Grundlage für:
- fachliche Objekte
- Informationen
- Datenstrukturen
- Datenflüsse
Zugeordnetes Portfolio:
Information / Data Portfolio
2. Wie werden Informationen verarbeitet?
Diese Frage leitet sich aus der Verarbeitung ab.
Sie beschreibt:
- fachliche Abläufe
- Geschäftsregeln
- Funktionen und Services
- deren Umsetzung in Anwendungen
Zugeordnetes Portfolio:
Business & Application Portfolio
3. Womit wird die Verarbeitung umgesetzt?
Auch diese Frage ist Teil der Verarbeitung, jedoch mit Fokus auf die Mittel.
Sie adressiert:
- Technologien
- Plattformen
- Infrastruktur
- technische Standards
Zugeordnetes Portfolio:
Technology / Infrastructure Portfolio
4. Wer ist verantwortlich?
Diese Frage ergänzt EVA um die organisatorische Dimension.
Sie klärt:
- Rollen
- Zuständigkeiten
- Ownership
Zugeordnetes Portfolio:
Organisation / Capability Portfolio
5. Warum wird etwas so gestaltet?
Diese Frage stellt den Zweck her.
Sie bezieht sich auf:
- Ziele
- Prinzipien
- strategische Treiber
- Nutzenargumentation
Zugeordnetes Portfolio:
Strategy / Motivation Portfolio
6. Wann ist etwas relevant?
Diese Frage bringt die Zeitdimension ein.
Sie beschreibt:
- zeitliche Gültigkeit
- Übergänge
- Abhängigkeiten
- Lebenszyklen
Zugeordnetes Portfolio:
Roadmap / Lifecycle Portfolio
Grafische Einordnung
Die folgende Darstellung zeigt, wie sich die Leitfragen logisch aus dem EVA-Prinzip ableiten und den jeweiligen Portfolios zuordnen lassen:
flowchart TB
EVA["EVA Principle<br/>Input · Processing · Output"]
Q1["Which information?"]
Q2["How is it processed?"]
Q3["With which means?"]
Q4["Who is responsible?"]
Q5["Why is it done this way?"]
Q6["When is it relevant?"]
EVA --> Q1
EVA --> Q2
EVA --> Q3
Q1 --> P1["Information / Data Portfolio"]
Q2 --> P2["Business & Application Portfolio"]
Q3 --> P3["Technology Portfolio"]
Q4 --> P4["Organisation / Capability Portfolio"]
Q5 --> P5["Strategy / Motivation Portfolio"]
Q6 --> P6["Roadmap / Lifecycle Portfolio"]
Die Grafik zeigt keine Hierarchie, sondern eine gedankliche Ableitung:
-
EVA liefert das Grundmuster
-
die Leitfragen erschliessen den Kontext
-
die Portfolios strukturieren die Inhalte
Gemeinsamkeiten und Abhängigkeiten
In der Praxis existieren diese Portfolios nicht isoliert:
-
Ohne Klarheit über Informationen bleiben Prozesse und Systeme unscharf.
-
Ohne Verständnis der Verarbeitung fehlt der Zusammenhang zwischen Business und IT.
-
Ohne geeignete Technologie können Anforderungen nicht umgesetzt werden.
-
Ohne definierte Verantwortung ist Wissen nicht nachhaltig.
-
Ohne strategischen Zweck fehlt die Legitimation.
-
Ohne Zeitbezug ist keine Steuerung möglich.
Die Leitfragen wirken dabei als verbindendes Element zwischen den Portfolios.
Fazit
Das EVA-Prinzip zeigt, wie Informationsverarbeitung grundsätzlich funktioniert.
Leitet man daraus einfache Leitfragen ab und ordnet sie den bekannten EAM-Portfolios zu, entsteht eine klare und verständliche Struktur für Architekturarbeit.
Der Mehrwert liegt nicht in neuen Frameworks, sondern in der konsequenten Anwendung einfacher Fragen:
Gute Architekturarbeit beginnt dort,
wo Zusammenhänge verstanden werden –
nicht dort, wo zusätzliche Komplexität entsteht.
Manchmal reicht es, das Bekannte neu zu ordnen.