Mehrere Wege einen Datenfluss zu modellieren

Welche Möglichkeiten gibt es, Datenflüsse zu modellieren?

Daten- oder Informationsfluss?

Der Datenfluss beschreibt die Übertragung von rohen, unverarbeiteten Daten, unabhängig ihrer fachlichen Bedeutung.

Beim Informationsfluss geht es hingegen um die Übertragung von verarbeiten bzw. interpretierten Daten, die für den Empfänger einen klaren und erkennbaren Nutzen haben.

Natürlich ist es IT-Umfeld so, dass wenn Informationen transferiert werden müssen, dies auf Basis eines Datentransfers geschieht. Der Datenfluss bildet die technische Grundlage für den Informationsfluss.

Die in diesem Artikel beschriebenen Darstellungsformen verwenden Elemente von beiden Varianten, jedoch steht der Sinn und Zweck des Informationsflusses im Vordergrund.

Das verwendete Beispiel

Als Beispiel dient uns ein Rechnungsversand mittels EDI. Die Abteilung “Rechnungswesen” sendet Rechnung im XML-Format über eine zentrale Middleware an mehrere (in diesem Fall drei) Kunden.

Folgende weitere Parameter sind bekannt:

Parameter Wert
Datenquelle CRM d. Marketing (für Adressdaten)
ERP d. Verkaufs (für Rechnungsdaten)
Sender Rechnungswesenabteilung
Quellsystem Finanzmodul
Empfänger Kunde
Geschäftsobjekt Monatsrechnung
Datenobjekt PDF-Datei
Versand-Technologie SFTP
Intervall Monatlich
flowchart LR
CRM[CRM]
VM[ERP]
FM[Finanzmodul]
R(Rechnung)
MW{Middleware}
FTP{SFTP}
K[Kunde]

CRM --> FM
VM --> FM
FM --> R --> MW
MW --> FTP
FTP --> K

Mit einem einfachen Flussdiagramm lässt sich diese Interaktion recht einfach darstellen, doch fehlen einige Informationen. Oder besser gesagt, sie lassen sich nicht so einfach in übersichtlicher Form darstellen. Die unterschiedlichen Ebenen (Geschäft, Anwendung, Infrastruktur) sind nicht klar differenziert, auch der zeitliche Aspekte (monatlich) fehlt.

Verschiedene Standards der Modellierung

Es gibt mehrere Standards, welche die Modellierung von Informationsflüssen unterstützen

Archimate

Als Modellierungssprache für Unternehmensarchitekturen ist Archimate sehr gut für die Darstellung von Informationsflüssen geeignet. Aufgrund der Ebenen-Strategie lässt sich auch der Übergang vom Daten- zum Informationsfluss darstellen.

Datenfluss als ArchiMate-Modell

Vorteile

  • dank den Architektur-Ebenen lassen sich Informationsfluss, Datenfluss und die benötigte Infrastruktur darstellen.
  • je nach eingesetztem Tool, lassen sich die einzelnen Elemente mit Portfolio-Einträgen verknüpfen, bzw. anhand von Portfolio-Einträgen generieren.

Nachteile

  • Archimate ist ausschliesslich menschenlesbar, nicht maschinenlesbar
  • Wer die Archimate-Syntax nicht kennt, kann sich mit der Interpretation schwer tun
  • ohne klare Modellierungsrichtlinien können Modelle eher chaotisch wirken, man kann sich in mögliche Details verlieren.
  • Es gibt keine spezifischen Elemente für zeitliche Aspekte, diese müssten mittels Notizen als Beschreibung hinzugefügt werden.

UML

UML kennt keinen eigenen Diagrammtyp für Informationsflüsse, jedoch finden sich in der Gruppe der Verhaltensdiagramme mehrere geeignete Diagrammarten. Für diesen Artikel wenden wir das Sequenzdiagramm an.

sequenceDiagram
  participant Marketing as Marketing-Abteilung
  participant CRM as CRM-System
  participant Verkauf as Verkaufsabteilung
  participant ERP as ERP-System
  participant Finanz as Finanzmodul
  participant MW as Middleware
  participant FTP as Kunden-FTP
  participant Kunde

  Note over Finanz: Trigger am 1. des Monats

  Marketing->>CRM: Pflege Adressdaten
  Verkauf->>ERP: Pflege Produktdaten

  Finanz->>CRM: Anfrage Adressdaten
  CRM-->>Finanz: Adressdaten

  Finanz->>ERP: Anfrage Produktdaten
  ERP-->>Finanz: Produktdaten

  Finanz->>Finanz: Monatsrechnung erzeugen
  Finanz->>Finanz: PDF-Rechnung generieren

  Finanz->>MW: Übergabe PDF-Rechnung
  MW->>FTP: Ablegen PDF-Datei
  Kunde->>FTP: Abruf PDF-Rechnung

Vorteile

  • sehr strukturierte Darstellung, Teilnehmer klar sichtbar
  • zeitlicher Ablauf der Aktionen sehr übersichtlich
  • Rückantworten / Reaktionen auch klar darstellbar

Nachteile

  • schnell unübersichtlich, man sollte sich auf Informations- oder Datenfluss konzentrieren, nicht beides gemischt

BPMN

BPMN gilt als Standard im Geschäftsprozessmanagement und wird von vielen Software-Werkzeugen unterstützt.

Datenfluss als BPMN-Modell

Vorteile

  • Mittels Pools und Lanes lassen sich die Teilnehmer am Informationsfluss strukturiert und übersichtlich darstellen. Auch komplexere Informationsflüsse mit z.B. mehreren Empfängern lassen sich einfach umsetzen
  • Mittels Ereignis-Meldungen lassen sich Intervalle bzw. zeitlichen Ausführungspunkte deutlich darstellen.
  • Ein BPMN-Modell ist mittels einer BPM-Engine auch maschinenlesbar bzw. ausführbar

Nachteile

  • Um die Infrastruktur und die Architektur rund um den Informationsfluss darzustellen, fehlen BPMN die notwendigen spezifischen Darstellungs-Elemente

Fazit und persönliche Empfehlung

Alle drei Notationen – UML-Sequenzdiagramme, BPMN und ArchiMate – bieten wertvolle Ansätze für die Modellierung von Informationsflüssen und Architekturen. Doch aus meiner Perspektive ragt ArchiMate heraus: Es ist die vielseitigste Sprache und besonders geeignet, um das Zusammenspiel der architektonischen Ebenen im EAM abzubilden – von der Strategie über die Geschäftsprozesse bis hin zur Technologie.

ArchiMate ermöglicht es, nicht nur Sequenzflüsse oder Prozesse (wenn auch nicht so detailliert wie UML oder BPMN), sondern vor allem Architekturabhängigkeiten und -zusammenhänge darzustellen. Diese ganzheitliche Sicht ist entscheidend, um komplexe Unternehmensarchitekturen zu verstehen und zu steuern. Während BPMN und UML-Sequenzdiagramme in ihren Spezialgebieten – Prozesse bzw. Interaktionen – überlegen sind, bietet ArchiMate die notwendige Flexibilität, um mit einer einzigen Notation alle Ebenen abzubilden.

Meine Empfehlung:

  • Für Unternehmen mit begrenzten Ressourcen (z. B. kleinere oder mittelgroße Organisationen) ist ArchiMate die pragmatischste Wahl, da es die meisten Anforderungen abdeckt, ohne auf mehrere Notationen angewiesen zu sein.
  • Bei vorhandenen Kapazitäten lohnt sich ein spezialisierte Einsatz der Sprachen: BPMN für detaillierte Prozessmodellierung, UML-Sequenzdiagramme für technische Interaktionen und ArchiMate als übergeordnetes Framework, das alles zusammenführt.

ArchiMate ist somit nicht nur eine Notation, sondern ein Schlüsselwerkzeug, um die Komplexität moderner Enterprise-Architekturen zu beherrschen – ohne dabei die Übersicht zu verlieren.